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Autobahnvignette Schweiz

26.01.22
Knowledge

Vor 37 Jahren wurde die allererste Autobahnvignette verkauft. Schon damals für 30 CHF, was für diese Zeit ein teures Vergnügen war. Nur zehn Jahre später erfolgte eine Preiserhöhung von stolzen zehn Franken, dabei blieb es dann allerdings bis heute. Trotz dem stolzen Preis wurde die Schweiz mit der Autobahnvignette zur Vorreiterin der Strassengebühren und bald folgten weitere europäische Staaten ihrem Vorbild. Aber wofür machen wir die jährliche Wechselprozedur eigentlich? Das mühsame Abkratzen und gerade-noch-rechtzeitig-vor-Ende-Januar-Neukaufen?

Für neue Strassen und gegen Mauthäuschen

Die Einnahmen der Vignette werden genau wie die der Mineralsteuer und Mineralölzuschläge für den Unterhalt, Betrieb und Ausbau der Nationalstrassen eingesetzt. Sie sorgt also dafür, dass wir nicht nur schnell – dank dem breit ausgebauten Autobahnnetz – sondern auch noch holperfrei über perfekt gewartete Strassen, ans Ziel kommen. Ein weiterer Pluspunkt: mit der Vignette ist man in der Schweiz fast überall unterwegs, ohne weitere Gebühren bezahlen zu müssen. Also zumindest alle, die auf Motorrädern Kategorie A sowie Unterkategorien und Motorfahrzeuge bis 3.5 Tonnen unterwegs sind. Fahrzeuge ab 3.5 Tonnen unterliegen nämlich der Leistungsabhängigen Schwerverkehrsabgabe (LSVA), sie müssen etwas tiefer in die Tasche greifen, je nach Gewicht, Kilometer und Abgas Emissionsklassen ihrer Fahrzeuge. Die Ausnahme sind kostenpflichtige Zugverladestrecken sowie Autofähren und die beiden Strassentunnel «Grosser St. Bernhard» und «Munt La Schera», die kostenpflichtig sind. Wer über Schweizer Mautstrassen braust, muss somit (fast) nur einmal im Jahr eine Vignette erstehen und kann danach die Autobahn nach Lust und Laune (solang im Tempolimit) benützen. Wer schon einmal beispielsweise durch Italien gefahren ist, und an einem Mauthäuschen verzweifelt nach Euros kramen musste (mittlerweile kann zum Glück überall mit Karte bezahlt werden), kennt also die Vorteile der Vignette nur zu gut. Durchreisende, die sie vergessen, bezahlen übrigens ein Bussgeld von CHF 200.00. Natürlich auch alle, die per 01. Februar noch die alte Vignette spazierenfahren. Dies kann von der Polizei dank der wechselnden Farben schnell erkannt werden.

Die Farben, die nur die Polizei interessieren

Pink, Türkis, Lila, Violett … jedes Jahr wechselt die Vignette ihren Auftritt. Anders als bei unseren österreichischen Nachbarn bleibt die Namensgebung bei uns jedoch eher schlicht. Während die Vignette in Österreich von Zitronengelb und Himmelblau über Flieder und Safrangelb bis hin zu Marille in den schönsten Farben strahlt, mögen wir es eben eher pragmatisch. Bereits drei Mal wurde die Vignette sogar einfach weiss belassen (1988, 1995, 2000). Besonders ist dafür die Farbe der Jahreszahl, diese kann von innen und aussen jeweils anders erscheinen. Doch eine grössere Aufgabe als die klare Unterscheidung und schnelle Erkennung für die Polizei hat die Farbgebung der Vignette ohnehin nicht.

So wird die Vignette busgeldfrei angebracht

Viel wichtiger ist hingegen, dass sie korrekt angebracht wird: Auf der Innenseite der Windschutzscheibe, wahlweise hinter dem Rückspiegel oder am linken Rand der Scheibe. Für Sammler ist das leider nichts, denn zu viele Schweizer Vignetten aus verschiedenen Jahren können von der Polizei getadelt werden. Und auch Bastler werden enttäuscht: Hilfsmittel wie Klebestreifen oder ähnliches sind streng verboten. Voraussichtlich per 2023 könnte das Abkratzen und Neuanbringen ohnehin ein Ende haben. Auf freiwilliger Basis werden dann auch elektronische Vignetten verfügbar sein. Diese werden dann virtuell der Fahrzeugnummer zugeordnet. Beide, die Klebevignette genauso wie ihr virtuelles Pendant kosten weiterhin CHF 40.00, wobei die E-Ausgabe bei Wechselnummern nur noch einmalig erstanden werden muss.

Und so wird sich auch die Autobahnvignette der (nebenbei bemerkt längst überfälligen) Digitalisierung beugen. Allerdings steht aktuell noch nicht zu 100% fest, ob es wirklich bereits Ende 2022 soweit sein wird. Es bleibt also nur abzuwarten und sich dieses Jahr noch möglichst oft an dem aktuellen Exemplar in «violett metallic» zu erfreuen.