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Im E-Auto zur Bandprobe

01.12.22
Nachhaltig, Reisen
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Zwei Gitarren, ein Cajon, eine Kick-Drum, Mikrophone sowie Bühnenoutfits und Ersatzkleidung, all das verschwindet im geräumigen Kofferraum des Nissan Leaf, den Matt seit wenigen Wochen im Abo fährt. Sein Bandkollege und Bruder Esra hat es sich bereits auf dem Beifahrersitz bequem gemacht, bereit zur Abfahrt. Die geplante Strecke wird sie über Zürich, Bern und Lausanne ins Wallis führen, vor den beiden liegen also einige Stunden Fahrtzeit und etwas über 800 Kilometer. Die Route und benötigte Ladestationen hat Matt bereits geplant, zwei Ladestopps, sowie Laden während dem Konzert sollten ausreichen. Wie immer hat Matt das E-Auto über Nacht bei sich zuhause geladen. Die Fahrt kann also direkt losgehen. Lautlos gleitet der weisse E-Kombi über die Strassen. Stellt sich die Frage: Singen Sänger eigentlich auch im Auto?

«Ich höre sehr wenig Musik beim Autofahren und wenn dann ohne Gesang, weil ich als Musiker sehr genau und speziell zuhöre. Ich analysiere den Song, Text und Melodie und denke über die Produktion nach. Daher kann ich mich dann nicht richtig entspannen und mich aufs Fahren konzentrieren, besonders auf einer langen Strecke geht das nicht. Daher entscheide ich mich meistens gegen Musik oder wenn dann für instrumentalen Jazz oder Klassik»

Matthias „Matt“ Buchli, Leadsänger 77 Bombay Street

Heizung gegen Reichweite

Gesungen wird also auf der Strecke quer durch die Schweiz nicht, dafür ist schliesslich beim Konzert noch mehr als genug Zeit. Soweit läuft alles reibungslos, sie erreichen das erste Konzert, Laden danach nochmals voll und setzen ihre Reise fort. Sie düsen überwiegend auf der Autobahn dahin. Da es ein kühler Tag ist, läuft die Heizung auf Hochtouren und Esra kuschelt sich in seinen Sitz, der durch die integrierte Heizung zusätzlich Wärme spendet. Währenddessen schrumpft die verbleibende Reichweite mehr und mehr, und zwar weitaus schneller, als Matt das bei seiner Routenplanung miteinberechnet hatte. Denn, was beide nicht – oder in Matts Fall noch nicht – wissen, ist, dass einzelne Fahrdetails Einfluss auf die Reichweite von E-Autos haben. Leistungen wie die Heizung und ein höheres Tempo – bei dem zudem wenig Rekuperation durch Bremsen entsteht – brauchen mehr Batterieleistung. Und so werden Esras Hände, die den Zettel mit dem Hinweis zur nächsten Ladestation umklammern, immer schwitziger. Auf seinem Sitz vorgelehnt, fragt er Matt vorsichtig, ob das wirklich reichen würde. Matt, der langsam selbst zweifelt, gibt noch ein bisschen mehr Gas, was die Lage – wie wir jetzt wissen – ganz und gar nicht verbessert.

Die rettende Idee

Schliesslich kommt ihm aber die rettende Idee: Er weisst Esra an, auf der swisscharge.ch App kurz die nächste Ladestation zu prüfen und tatsächlich, liegt eine nähergelegene auf ihrem Weg. Mit den letzten paar Prozent Batterie – übrigens sollte das Auto eigentlich möglichst nicht unter 20% geraten – erreichen die beiden die Ladesäule. Beim Aussteigen überspielen sie gekonnt ihre etwas weich gewordenen Knie. Als sie nach der Ladezeit – frisch gestärkt durch einen Kaffee – wieder einsteigen, sind sie aber wieder bestens gelaunt. Und um eine wichtige Lektion reicher: immer etwas Extrapuffer an Reichweite einrechnen, sollte wieder einmal die Sitzheizung besonders verlockend erscheinen.